Xylophon

Kurzportrait


  • Name: Xylophon
  • Schreibweisen
    • Englisch: xylophone
    • Französisch: xylophone
    • Italienisch: silofono, xilofono
  • Klassifikation: Idiophon (Selbstklinger), Schlaginstrument mit bestimmter Tonhöhe, gehört zu den Stabspielen
  • Klangstäbe: HHartholz (Rosenholz, Palisander, japanische Birke). Kunststoffe (Kelon, Klyperion , Fiberglas); Breite: 2,5–4,5 cm. Dicke: 1,5–2,5 cm. Länge: 13,5–38 cm.
  • Resonanzröhren
  • Isoliergummi
  • Trapezförmiger Rahmen: Länge: Zwischen ca. 120–145 cm (3½ Oktaven) und 103–106 cm (3 Oktaven); Tiefe: 55–80 cm.
  • Gestell: Metallgestell mit Rädchen, um das Instrument zu verschieben.
  • Gewicht: Mit Gestell: ca. 22–36kg.
  • Höhe: 83–95 cm.
  • Schlägel: Länge des Schaftes: 30–40 cm. Kopfdurchmesser: 2–2,8 cm. Material: Ebonit, Rosenholz, Lexan, ABS, Gummi, mit Garn umwickelt.
  • Schlägelständer

Der Name Xylophon setzt sich aus zwei altgriechischen Wörtern zusammen, nämlich: xýlon (=Holz) und phoné (=Klang). Dieser Name ist seit dem 19. Jahrhundert in Gebrauch. Im technischen Sinn sind also alle Instrumente, die aus einer Reihe von verschieden langen Holzstäben bestehen, die nach Tonhöhen nebeneinander aufgereiht sind und mit Schlegeln angeschlagen werden, Xylophone. Im engeren Sinn bezeichnet Xylophon heute das europöisch-amerikanische Orchesterxylophon, dessen Klangstäbe klaviaturmäßig in zwei Reihen angeordnet sind.

Verglichen mit dem Marimbaphon ist das Xylophon das Instrument mit dem höheren und kleineren Tonumfang, das aufgrund des härteren Holzes der Klangstäbe schärfer und heller klingt. Manchmal ist sogar von Xylophonfamilie die Rede, die das Xylophon, das Marimbaphon und das Xylomarimba umfasst.

Stimmung und Anordnung der Holzstäbe unterscheiden sich in diversen Kulturen, allen gemeinsam ist jedoch die skalenmäßige Aufreihung der Klangstäbe von tief nach hoch. Die Anzahl der Holzstäbe reicht von einem einzigen Stab bis zu mehreren Oktaven Umfang. Xylophone sind alte Instrumente und in verschiedenen Kulturen unter den verschiedensten Namen bekannt: In Afrika unter amadinda oder akadinda (Uganda), balafon (Sudan), carimba (Angola), kidimba (Kongo), kundung (Nigeria), marimba (Kongo), silimba (Südafrika). In Asien unter bakagong (Malaysien), gambang (Indonesien), dan go (Vietnam), gabbang (Bali), gambang calung (Java), muqin (China), patatag (Philippinen), patti taranga (Indien), ranat ek (Thailand).

Die Anordnung der Klangstäbe in einer Tonskala hat dazu geführt, dass Xylophone in vielen Kulturen als pädagogische Instrumente genutzt werden, die auch von Kindern gespielt werden. Carl Orff ließ sich um 1930 für sein bekanntes „Schulwerk“ von asiatischen Trogxylophonen inspirieren.

Die Spannweite an Spielmöglichkeiten reicht von einfachsten Tonfolgen bis zu virtuosesten Spieltechniken. In vielen Kulturen gehörten Xylophone schon von Anfang an zur Kunstmusik. Im europäischen Raum erreichten sie diesen Status nach 400jährigem Dasein als Volksinstrument der Wandermusiker erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

Die modernen Orchesterxylophone unterscheiden sich im Wesentlichen nicht von ihren Vorläufern: Sie haben lediglich eine Resonanzröhre für jeden Klangstab dazu gewonnen und variieren im Tonumfang.

Geschichte – Das Universum der Holzstabspiele

Asien

Geschichte

Der Ursprung des Xylophons liegt im Dunkel der Geschichte und ist schwer nachzuzeichnen. Forscher neigen dazu, den Schauplatz der ersten Xylophone in Ostasien zu orten, von wo aus sich die Instrumente zuerst nach Afrika ausgebreitet haben sollen. Erste Zeugnisse finden sich in Südostasien und stammen aus dem 9. Jahrhundert. Um 2000 v. Chr. soll es in China eine Art Holzharmonika [wood-harmonicon] mit 16 aufgehängten Holzstäben gegeben haben. Ebenso soll im Bereich der Hindu-Religion ein Xylophon-ähnliches Instrument namens ranat existiert haben. Die weite Verbreitung von Xylophonen in Südostasien wird durch zahlreiche Tempelreliefs dokumentiert, die xylophonspielende Menschen abbilden.

Gegenwart

Noch heute sind die verschiedenen Arten von Xylophonen, deren Klangstäbe aus Hartholz oder Bambusröhren bestehen, von größter Bedeutung in den verschiedenen Gamelan-Orchestern. Bis zu drei gambang (Trogxylophone mit Klangstäben aus Bambus oder Hartholz) sind in einem Gamela n-Orchester vorhanden. Asiatische Xylophone sind meist – technisch gesehen – Trogxylophone, d.h. ein einziger Hohlkörper dient als Resonator für alle Klangstäbe. Die 14 bis 20 oder mehr Klangstäbe liegen auf Stoffbahnen, die auf den Rändern des Holzkastens befestigt sind. Sie werden von Metallstiften fixiert. Gestimmt werden die Klangstäbe in fünf- oder siebentönigen Skalen. Xylophone werden sowohl bei Hofe zusammen mit anderen Xylophonen als auch solistisch bei verschiedenen Fruchtbarkeitsritualen und bei Festen zur Unterhaltung gespielt.


Trogxylophon („Gambang“)

Afrika

Geschichte

Es ist nicht bekannt, wann die ersten Xylophone nach Afrika kamen, es war aber sicher lange vor dem 14. Jahrhundert. Historische Quellen erwähnen Mitte des 14. Jahrhunderts Xylophone im heutigen Mali (am Niger). Im 16. Jahrhundert berichteten portugiesische Missionare aus Äthiopien von hoch entwickelten Xylophonen mit Kürbis-Kalebassen als Resonanzkörper und Mirliton für schnarrende Resonanzgeräusche. Auch der portugiesische Missionar Dos Santos berichtete aus der Gegend von Mozambique von einem Xylophon namens ambira, welches die erwähnten Eigenheiten aufwies.

Gegenwart

Xylophone sind in Afrika weit verbreitet, aber nicht überall anzutreffen. Verstärkt sind sie an der Westküste und an der Ostküste (Angola, Mozambique) zu finden. Die Vielfalt an verschiedenen Formen und Typen unterstreicht die Bedeutung, die Xylophone seit jeher auf diesem Kontinent gespielt haben. Man unterscheidet zwei Hauptarten: Xylophone mit freien Klangstäben – die Klangstäbe sind unabhängig voneinander aufgereiht; und Xylophone mit festen Klangstäben – die Klangstäbe sind fest aneinander gebunden.

Einfachste Formen sind Schenkel- und Erdgrubenxylophone. Schenkelxylophone bestehen aus mehreren Klangstäben, die quer über die Schenkel gelegt und angeschlagen werden. Der Raum unter den Schenkeln dient als Resonanzraum. Bei Erdgrubenxylophonen werden Klangstäbe auf zusammengerollten Bananenblättern über eine Erdgrube gelegt, wobei die Erdgrube als Resonanzraum fungiert.

Von großer Bedeutung sind auch die Holmxylophone, bei denen die Klangstäbe auf zwei Balken liegen. Die Klangstäbe, zwischen 12 und 22 cm lang, werden in der Regel von langen Holzstiften in Position gehalten, weil sie sich sonst beim Spielen verschieben würden. In Uganda sind solche Instrumente unter dem Namen amadinda verbreitet. Größere Instrumente, die am Königshof gespielt wurden, nannte man auch akadinda.


*Kalebassenxylophon*

Komplexere Formen sind die sogenannten kalebassenresonierten Xylophone, wo jeder Klangstab einen eigenen Resonator hat. Meistens werden ausgehöhlte getrocknete Kürbisse als Resonatoren verwendet. Die Auswahl geeigneter Kürbisse geschieht mit sehr viel Sorgfalt, da deren Tonhöhe mit jener des Klangstabes genau übereinstimmen muss. Musiker legen auf der Suche oft weite Strecken zurück. Manchmal werden auch Bambusröhren, Kanister oder Metallhülsen als Resonatoren verwendet. Eine besondere Art der Klangverstärkung ist bei diesen Xylophonen zu beobachten, nämlich die Mirlitone. In jede Kalebasse wird ein Loch gebohrt, das mit einer Membran (vom Nest einer Spinne oder aus Papier) zugeklebt wird. Die Mirlitone schwingen mit, wenn auf den entsprechenden Klangstäben gespielt wird und geben ein schnarrendes Geräusch.

Auch bei der europäischen spätmittelalterlichen Rahmenharfe wurden schnarrende Klänge erzeugt, indem die Saiten beim Spielen an die dafür vorgesehenen Haken anschlugen.

Als Volksinstrument in Europa

Vermutlich ist das Xylophon durch die Kreuzzüge nach Europa gekommen. Der deutsche Organist Arnold Schlick erwähnt es 1511 in seinem Werk „Spiegel der Orgelmacher und Organisten“ als „hültze glechter“ (= hölzernes Gelächter). Unter diesem Namen war das Instrument auch im deutschsprachigen Raum bekannt. In Folge wird das Xylophon von vielen wichtigen Theoretikern der Zeit erwähnt, unter anderem von Martin Agricola und Michael Prätorius in seinem „Theatrum instrumentorum“. Auch der Name „Strohfidel“ war weit verbreitet, weil die Klangstäbe auf Stränge aus Stroh gelegt wurden. Im Mittelalter waren Xylophone sehr einfache Instrumente, die keinerlei Art von Resonatoren aufwiesen. Strohfideln waren als Virtuoseninstrumente im Zirkus beliebt und wurden auch von wandernden Musikern gespielt. In diesem Kontext erhielt sich das Xylophon bis ins 19. Jahrhundert.

Im bekannten „Totentanz“ von Hans Holbein dem Jüngeren aus dem Jahre 1523 ist das Xylophon als Instrument mit Todessymbolik zu sehen. Auf dem Gemälde spielt ein Totenskelett während eines Umzuges auf einem tragbaren Xylophon. Der Xylophonklang symbolisiert somit das Klappern der Knochen. Dies ist die erste bekannte Darstellung eines Xylophons auf europäischem Boden.


*Hans Holbein: Totentanz, 1523*

Beim älteren Xylophon – auch beim alpenländischen – waren die Stäbe in vier Reihen angeordnet. Dabei entsprachen die beiden mittleren Reihen etwa den weißen Klaviertasten, die beiden äußeren den schwarzen. Die Klangstäbe lagen nicht längs wie beim modernen Orchesterxylophon oder bei afrikanischen oder asiatischen Xylophonen, sondern quer vor dem Spieler, der längste Klangstab dem Spieler am nächsten, der kürzeste am weitesten entfernt. Resonatoren waren nicht vorhanden, die Stäbe wurden wie beim Hackbrett mit Klöppeln angeschlagen. Der Vorteil dieser Anordnung bestand darin, dass auf diese Weise gewisse oft verwendete Tonfolgen wie Akkordbrechungen in rasendem Tempo gespielt werden konnten. Reisende Virtuosen auf diesem Instrument haben auch Komponisten wie Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) und Frédéric Chopin (1810–1849) beeindruckt.

Die Entdeckung als Orchesterinstrument

Erst im 19. Jahrhundert wurde das Xylophon für das Orchester entdeckt. Der Pole Michael Josef Guzikov war einer der bekanntesten reisenden Virtuosen. 1803 legte vermutlich Ignaz Schweigl, 1810 Ferdinand Kauer („Sei Variazioni“) die ersten Kompositionen für Xylophon vor. Der französische Komponist Camille Saint- Saëns war einer der ersten, der in seinen programmatischen Orchesterwerken „La Danse macabre“ (1875) und „Le Carneval des Animaux“ (1886) das Xylophon eingesetzt hat. Es handelte sich dabei immer noch um das vierreihige Xylophon.

1886 veröffentlichte Albert Roth eine Xylophonschule, in der neben der vierreihigen auch eine zweireihige chromatische Anordnung der Klangstäbe nach dem Vorbild des Klaviers vorgestellt wurde. In der Folge wurden die modernen Orchesterxylophone mit zweireihiger chromatischer Anordnung der Klangstäbe und Resonatoren entwickelt. Der Amerikaner John Calhoun Deagan war ab 1903 einer der ersten großen Produzenten des modernen Orchesterxylophons, das schon bald weltweit zum Standardinstrument in Theater- und Symphonieorchestern sowie in Tanzmusikensembles wurde. Zur Ausbreitung mag auch beigetragen haben, dass sich der Xylophonklang auf frühen Plattenaufnahmen besonders gut ausnahm. Die Parts, die KomponistInnen dem Xylophon und der wachsenden Schlagzeuggruppe im 20. Jahrhundert anvertrauten, wurden immer größer und bedeutender. Komponisten wie Béla Bartók, Igor Strawinsky, Edgard Varèse, Olivier Messiaen , Pierre Boulez, Karheinz Stockhauen sind nur einige, die das Schlagzeug zum Hauptträger des musikalischen Klanges gemacht haben. Das Jahrhundert des Schlagzeugs brach an.

Bauweise des Orchesterxylophons

Von den vielen Xylophonarten, die es die es im geschichtlichen und weltweiten Kontext gibt, wird hier das moderne Orchesterxylophon näher beschrieben.

Der Rahmen mit den Klangstäben ist auf einem Metallgestell montiert, das auf Rädchen steht. Dies erleichtert den Transport der Instrumente und ist notwendig, weil Schlaginstrumente oft ihren Platz wechseln müssen.

Klangstäbe

Das moderne Orchesterxylophon ist mit chromatisch gestimmten Klangstäben aus Holz – auch Platten genannt – bestückt, die wie beim Klavier in zwei Reihen angeordnet sind. Die Stabreihe, die den schwarzen Tasten des Klaviers entspricht, ist leicht erhöht. Die Klangstäbe sind heute der Breite nach an ihren Knotenpunkten durchbohrt und reihenweise an einer Schnur aufgehängt, wobei die einzelnen Klangstäbe durch Isolierstifte voneinander getrennt sind. Sie hängen also in der Luft, was ein freies Vibrieren der Klangstäbe garantiert.

Bei älteren Xylophonen oder anderen Xylophontypen (Trogxylophone, Xylophone des Orff-Schulwerkes) liegen sie auf einem Isolierkissen aus Filz oder Gummi.

Die Anzahl der Stäbe ist je nach Tonumfang verschieden. Es ist fast unmöglich, den Tonumfang des Xylophons festzulegen. Der durchschnittliche Tonumfang moderner Orchesterxylophone schwankt zwischen drei (c2–c5), dreieinhalb (f1–c5) und vier Oktaven (c1–c5). Die meisten Orchester haben mehrere Xylophone und eines davon mit vier Oktaven Umfang. Aus klanglichen Gründen konnten sich Instrumente mit fünf Oktaven nicht durchsetzen, obwohl Parts dafür komponiert wurden.

Die Tonhöhe jedes Stabes wird von der Länge, Dicke und Dichte des Materials bestimmt, die Breite hat auf die Tonhöhe keinen Einfluss. Je länger, dünner und dichter der Stab, desto tiefer ist die Tonhöhe. Je kürzer, dicker und weniger dicht der Stab, desto höher ist der Ton. Die Stäbe können durch das Wegnehmen oder Hinzufügen von Material gestimmt werden.

Dabei gilt folgende Regel: Wird Material von den Enden des Stabes abgefeilt, erhöht sich die Tonhöhe des Grundtones. Wird dagegen Material vom Mittelbereich des Stabes herausgeschnitzt (Ober- oder Unterseite), so dass der Stab dünner wird, vertieft sich die Grundtonhöhe. Durch die Entfernung von Material an verschiedenen Stellen des Stabes ist es sogar möglich, einzelne Teiltöne zu stimmen. Zur kurzfristigen Verbesserung der Stimmung gibt es auch die Möglichkeit, die Grundtonhöhe durch Hinzufügung von Wachsklumpen zu erhöhen, eine Praxis, die besonders auf afrikanischen Xylophonen geübt wird.

Anders als bei schwingenden Saiten bewirkt eine Verkürzung der Klangstäbe um die Hälfte (in der Länge) eine Erhöhung um zwei Oktaven. Aus diesem Grund ist der Längenunterschied zwischen dem tiefsten und höchsten Klangstab relativ gering. Die Klangstäbe des Xylophons sind etwa zwischen 2,5 und 4,6 cm breit, zwischen 1,5 cm und 2,5 dick und zwischen etwa 38 cm (tiefster Ton) und 13,5 cm lang (höchster Ton).

Moderne Orchesterxylophone sind in der Regel auf 442 Hertz temperiert gestimmt. Von den Herstellern werden aber mehrere Stimmungen angeboten, da sich die Orchester weltweit auf verschiedene Stimmtonhöhen berufen.

Resonanzröhren

Im Gegensatz zu älteren Modellen weisen moderne Orchesterxylophone an der Unterseite röhrenförmige Resonatoren (Resonanzröhren) auf, wobei jeder Klangstab einen eigenen Resonator hat. Resonatoren verstärken den Klang und machen ihn auch etwas weicher, weshalb Xylophone ohne Resonatoren – in der Orchestermusik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts üblich – einen härteren Klang hatten.

Welches Holz ist für Klangstäbe geeignet?

Jede Holzart hat eine besondere Klangfarbe: Weiche Hölzer wie Erle oder Pappel haben einen weicheren, sanfteren Klang.

Sehr harte Hölzer wie Ahorn, Palisander oder exotische Hölzer wie Rosenholz haben einen teiltonreichen und länger nachwirkenden Klang. Sie klingen heller als weiche Hölzer.

Für moderne Orchesterxylophone werden sehr harte, meist exotische Hölzer verwendet – Rosenholz aus Honduras, japanische Birke, Padauk aus Burma. Für Kinderinstrumente werden weiche Hölzer bevorzugt. Ein wichtiges Kriterium für die Auswahl von Klanghölzern ist die Struktur, denn nur in gleichmäßig gewachsenen Hölzern können sich teiltonreiche Klänge entfalten. Beeinflusst wird der Klang auch durch die Bearbeitung der Klangstäbe: je nachdem, in welcher Form die Klangstäbe geschnitzt werden – meist an der Unterseite – kann entweder der Grundton (=1.Teilton) oder ein höherer Teilton verstärkt werden.

Die Klangstäbe von Xylophonen werden oft so gestimmt, dass der 3.Teilton (= Oktave + Quint über der Grundtonhöhe) verstärkt wird, während bei Marimbaphonen eher der 2. Teilton (= Oktave über der Grundtonhöhe) verstärkt wird. Eine Verstärkung des 1. Teiltones (= Grundton) bei Xylophonen ist jedoch auch üblich, der Klang wirkt weicher.

Hölzer reagieren empfindlich auf Umwelteinflüsse und halten die Stimmung weniger leicht als Kunststoffe, haben aber eine wesentlich bessere Klangqualität. Für Tourneen werden deshalb Klangstäbe aus Kunststoff bevorzugt. Natürlich werden auch Instrumente, die Kunststoff anstatt Holz als Klangstäbe verwenden, als Xylophone (= Holzklinger) bezeichnet.

Schlägel

SchlagzeugspielerInnen verwenden eine große Vielfalt an Schlägeln. In der Regel werden für das Xylophon Schlägel mit leicht federndem Schaft und kleinen runden Köpfen verwendet.

Die Köpfe sind aus Gummi, Holz oder Kunststoff. Bei weicheren Schlägeln sind sie mit Garn umwickelt. Jedes Material bietet eine eigene Klangfarbe. Aufgrund des besonderen Klanges werden für das Xylophon die härteren Schlägel den weichen vorgezogen.

Weichere Schlägel dämpfen die höheren Teiltöne, der Klang wird weicher, rund und sanfter, harte Schlägel fördern die hohen Teiltöne, der Klang wird heller, härter und schriller.

Länge des Schaftes: 30–40 cm.
Kopfdurchmesser: 2–2,8 cm.
Material: Ebonit, Rosenholz, Lexan, ABS, Gummi, mit Garn umwickelt.

Einteilung nach 8 Härtegraden: Extrem hart (x), sehr hart (x), hart (x), medium hart (x), medium weich (x), weich, sehr weich, extrem weich. Diese Einteilung betrifft eher die Spielpraxis. In Partituren wird in der Regel nach 3 Härtegraden eingeteilt: weich, mittel und hart.

Notation

Die Notation des modernen Orchesterxylophons ist eine Oktave tiefer als der Klang und daher transponierend. Üblich ist ein einziges Notensystem im Violinschlüssel.

Manche Komponisten notierten auch klingend. In diesen Fällen gibt es eine entsprechende Anmerkung in den Partituren.

Tonumfang

Der durchschnittliche Tonumfang moderner Orchesterxylophone schwankt zwischen drei und vier Oktaven.

Xylophon mit drei Oktaven Umfang: c2–c5
Xylophon mit dreieinhalb Oktaven Umfang: f1–c5
Xylophon mit vier Oktaven Umfang: c1–c5

Tonerzeugung

Das Orchesterxylophon besteht aus zwei parallel angeordneten Stabfolgen. Jeder Stab hat eine eigene Tonhöhe: je kürzer der Klangstab ist, desto höher klingt der Ton.

Die Anordnung der Klangstäbe entspricht jener des Klaviers: Die tiefen Töne (= lange Klangstäbe) sind auf der linken Seite, die hohen Töne (= kurze Stäbe) auf der rechten Seite des Spielers.

Beim Spielen steht der Musiker so vor dem Xylophon, dass die Klangstäbe längs vor ihm liegen, also zu ihm hin zeigen. Pro Hand werden einer oder mehrere Schlägel verwendet, um die Klangstäbe anzuschlagen. Die Schlägel sind so gebaut, dass sie unmittelbar nach dem Anschlag zurückfedern, damit die Schwingungen des Klangstabes nicht abgedämpft werden. Schläge, bei denen der Schlägel auf dem Klangstab liegen bleibt, sogenannte dead strokes, sind ein besonderer Effekt. Bei der Haltung der Schlägel ist die Handfläche nach unten gerichtet.

Die Breite der Klangstäbe ist bei Xylophonen und anderen Stabspielen oft verschieden, was den SpielerInnen Probleme bereiten kann.

Der Spieler hat die Möglichkeit, verschieden harte Schlägel zu wählen. Weichere Schlägel dämpfen die höheren Teiltöne, der Klang wird weicher, runder und sanfter, harte Schlägel fördern die hohen Teiltöne, der Klang wird heller, härter und schriller.

Spieltechniken

Einzeltöne

Einzeltöne sind Klangereignisse von sehr kurzer Dauer.

Repetitionen

Repetitionen mit und ohne Akzente gehören zu den wirksamsten Spielweisen auf dem Xylophon.

Tremolo/Wirbel

Alle Arten von Tremolo, einstimmige und mehrstimmige, sind möglich. Tremoli bieten die Möglichkeit, die äußerst kurzen Töne des Xylophons zu einem Klangkontinuum von beliebiger Dauer zu verbinden. Dynamische Änderungen im Verlauf des Tremolo sind in allen Nuancen möglich und für dramatische Steigerungen sowie für Ausklänge von guter Wirkung.

Triller

Alle Arten des Trillers sind leicht ausführbar und von guter Wirkung.

Glissando

Diatonische (weiße Tasten) und pentatonische Glissandi (schwarze Tasten), einzeln und parallel, Kreuzglissandi sowie mehrstimmige Glissandi in allen Tempi und dynamischen Abstufungen sind mit guter Wirkung möglich.

Akkordspiel

Akkordspiel entsteht, wenn die SpielerIn 3 oder 4 Schlägel verwendet, d.h. 2 Schlägel pro Hand. Die Spannweite mit 2 Schlägeln in einer Hand ist von der Breite der Klangstäbe und der Länge der Schlägel abhängig. Eine Oktave entspricht auf dem Xylophon etwa 32 cm Breite.

Akkordtremolo

Tremolo mit zwei Schlägeln in jeder Hand, so dass sich die Töne zu einem stehenden Klang verbinden.

Legato

Eine Wirkung, die dem Xylophon aufgrund seines kurzen Klanges nur von den besten SpielerInnen zu entlocken ist. Die Legato-Wirkung entsteht eher durch die verschiedenen Abstufungen des Staccato.

Staccatospiel

Aufgrund des äußerst kurzen Klanges wirken alle Tonfolgen wie staccato. Trotzdem sind Abstufungen im Staccatospiel möglich.

Klangcharakter

Hart, hölzern, hell, klappernd, spitz, durchdringend, scharf, akzentuiert, punktuell, stechend, spröde, trocken, perlend, tropfenförmig, schrill, hohl, tickend, transparent, präzise, schneidend, klar.

Das Besondere am Xylophonklang sind der Eindruck der „Punktförmigkeit“ und der fehlende Nachklang.

Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass die Oktavlagen – besonders im hohen Bereich – oft schwer einzuschätzen sind. Dies ist auf den verstärkten Anteil der hohen Teiltöne zurückzuführen. Daraus folgt, dass es zulässig und manchmal notwendig ist, manchmal einzelne Xylophonparts um eine Oktave zu transponieren, um der Raumsituation gerecht zu werden.

Der Klang ist abhängig vom Durchmesser des Schlägelkopfes und von der Härte der Schlägel: Je härter der Schlägel, umso mehr höhere Teiltöne werden zum Klingen gebracht, wodurch der Klang heller, härter und schriller wird. Weiche Schlägel dämpfen die höheren Teiltöne ab, der Klang wird etwas dunkler, weicher, sanfter und runder.

Auch die Anschlagstelle kann den Klang beeinflussen.

Der Klang der Xylophonskala ist von gleichbleibender Farbe, verschiedene Register sind nicht zu erkennen.

Klangverbindungen

Aufgrund seiner Fähigkeit, helle und spitze Töne zu erzeugen, wurde das Xylophon im klassisch-modernen Orchestersatz dazu verwendet, entweder die Spitzentöne einer melodischen Linie zu akzentuieren oder die melodische Linie eines anderen Instrumentes durch Oktavierung nachzuzeichnen. Ebenso gehörte die Verdoppelung schneller Läufe und Figuren in der Oberoktave (oder 2 Oktaven höher) zu den „klassischen“ Aufgaben des Xylophons. Die schillernde Brillanz, die bei diesen Klangverbindungen erreicht wird, durchdringt ein ganzes Orchester. Das Xylophon ist das Instrument, das scharfe Linien vor einem Klanghintergrund zeichnen kann.

In der Musik des 20. Jahrhunderts haben die Aufgaben des Xylophons zugenommen. In den Ensembles wechselnder Besetzung tritt das Xylophon immer mehr solistisch hervor. Sein Klang ist geeignet für alle Einsatzgebiete vom solistischen Spiel bis zum Einbinden in den Klanghintergrund.

Xylophon + andere Schlaginstrumente

Klangvolle Unisono- und Oktavwirkungen mit der Celesta und dem Glockenspiel. Der Xylophonklang dominiert.

Xylophon+ Blechblasinstrumente

Scharfe Unisono- und Oktavwirkungen mit der Trompete. Mit dem Horn- und den tieferen Bläsern sind Oktav- und Doppeloktavwirkungen möglich, wobei das Xylophon wie eine Art scharfer Oberton wirkt.

Xylophon+ Holzblasinstrumente

Mit den hohen Holzblasinstrumenten wie Flöte, Klarinette und Oboe ergeben sich gute Unisono- und Oktavwirkungen. Der Xylophonklang dominiert. Bei Oktav- und Doppeloktavverbindungen wirkt das Xylophon wie ein scharfer Oberton.

Xylophon + Streich- und Saiteninstrumente

Klangvolle Unisono- und Oktavverbindungen mit der Violine und der Bratsche. Der Xylophonklang dominiert. Der Xylophonklang verleiht dem Streicherpizzicato mehr Schärfe und durchdringende Kraft. Bei Oktav- und Doppeloktavverbindungen wirkt das Xylophon wie ein scharfer Oberton.

Xylophon + Harfe

Klangvolle Unisono- und Oktavwirkungen mit der Harfe. Der Xylophonklang dominiert.

Repertoire (Auswahl)

Xylophon solo

Thomas Pitfield:

  • Sonate für Xylophon

Xylophon im Orchester

  • Camille Saint-Saëns

    • La Danse Macabre op. 40 (1875)
    • Le Carnaval des Animaux (1886)
  • Gustav Mahler

      1. Symphonie (1906)
  • Richard Strauss

    • Salome (1905)
  • Igor Stravinsky

    • Der Feuervogel (1910)
    • Petruschka (1911)
  • Karl Amadeus Hartmann

    • Späte Symphonien
  • Leoš Janáček

    • Jenufa (1904)
  • Alban Berg

    • Drei Orchesterstücke, op. 6 (1914)
    • Wozzeck (1925)
  • Maurice Ravel

    • Ma mère l'Oye (1912)
  • Arnold Schoenberg

    • Gurrelieder (1913)
  • Giacomo Puccini

    • Turandot (1926)
  • Dmitri Shostakovich

      1. – 8. Symphonie
  • Béla Bartók

    • Der holzgeschnitzte Prinz (1916)
    • Der wunderbare Mandarin (1919)
    • Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta (1938)
  • William Walton

    • Belshazzar's Feast (1931)
  • George Gershwin

    • Klavierkonzert in F (1925)
    • Ein Amerikaner in Paris (1928)
    • Porgy and Bess (1935)
  • Aaron Copland

    • Appalachian Spring (1944)
  • Carl Orff

    • Antigonae (1949)
  • Olivier Messiaen

    • Turangalîla-Symphonie (1949)
  • Benjamin Britten

    • The Young Person's guide to the Orchestra op. 34 (1946)
  • Leonard Bernstein

    • West Side Story (1957)
  • Witold Lutosławsky

    • Doppelkonzert für Oboe und Harfe (1980)
    • Konzert für Orchester (1954)

Xylophon im Ensemble

  • Béla Bartók

    • Sonate für 2 Klaviere und Schlagzeug (1938)
  • Igor Stravinsky

    • Les Noces (1923)
  • Pierre Boulez

    • Le marteau sans maître (1955)
  • Olivier Messiaen

    • Oiseaux éxotiques (1956)
  • Steve Reich

    • Drumming (1971)
  • William Cahn

    • In Ancient Temple Gardens