Tamtam

Kurzportrait


  • Name: Tamtam
  • Schreibweise
    • Englisch: tam-tam
    • Französisch: tam-tam
    • Italienisch: tamtam
  • Klassifikation: Schlaginstrument, Idiophon (Selbstklinger) mit unbestimmter Tonhöhe, Aufschlaggefäß
  • Durchmesser: Ca. 35–170 cm
  • Dicke: 1–3 mm
  • Gewicht: Ca. 0,5–50 Kilogramm
  • Material: Bronze, Bronzeblech
  • Herstellung: Guss (Bronze) oder Hämmern (Bronzeblech)
  • Ständer: Zum Aufhängen eines oder mehrerer Tamtams
  • Schlägel

Das Tamtam ist – neben Pauke und Großer Trommel – das Bassinstrument der Schlaginstrumente.
Tamtam und Gong werden oft miteinander verwechselt, sie weisen jedoch bautechnisch und klanglich einige wesentliche Unterschiede auf: Das Tamtam ist eine relativ flache Scheibe und hat im Gegensatz zum Gong keinen Buckel in der Mitte. Zudem hat es keine bestimmte Tonhöhe, obwohl sich natürlich verschieden große Tamtams durchaus in der Klanghöhe unterscheiden.

Im Symphonieorchester westlicher Prägung wurde das Tamtam erst seit dem Ende des 18. Jahrhunderts verwendet. Komponisten der Romantik verwendeten das Tamtam im Laufe des 19. Jahrhunderts immer öfter, so dass es seit Beginn des 20. Jahrhunderts schließlich seinen Stammplatz im Orchester gefunden hat. In der Musik der letzten Jahre wird es sogar als Soloinstrument verwendet.

Das Tamtam wird mit diversen Schlägeln angeschlagen und kann, je nach Schlägelwahl und Spielweise, von dunkel über kreischend bis majestätisch klingen.

Geschichte

Der Name Tamtam kommt vom malaiischen tammittam, was die onomatopoetische Bezeichnung für Trommel ist. Die Ursprünge der klingenden Metallscheiben (Gongs) sind im 7. Jahrhundert v. Chr. in China zu finden, von wo sie sich in den ostasiatischen Raum ausgebreitet haben. Seit alters her wurden im Fernen Osten Orchester zusammengestellt (Gamelan-Orchester), in denen ganze Sätze von klingenden Metallscheiben (Tamtams, Gongs, etc.) eine tragende Rolle spielten. Ein Umstand, der die enorme Bedeutung dieser Instrumente im Fernen Osten unterstreicht.

Die Metallscheibe aus dem ostasiatischen Bereich wurde ursprünglich zu Kultzwecken gebraucht. Die Bezeichnung Tamtam ist später auch für das heutige Orchesterinstrument übernommen worden, wo es, vermutlich durch die Türkenkriege im 17. Jahrhundert nach Europa gekommen, gegen Ende des 18. Jahrhunderts (zuerst in Francois Joseph Gossecs „Trauermarsch“ im Jahre 1791) eingeführt wurde.

Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Tamtam als Effektinstrument bei gewichtigen und auffallenden Einsätzen benutzt – häufig bei Trauermärschen. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wird das Tamtam schließlich auch als „echtes“ Orchesterinstrument verwendet, und zwar mit der Aufgabe, dem Orchesterklang eine dunkle Klangfarbe zu verleihen – wie z. B. bei Richard Strauss. Dadurch wird es zu einem wichtigen und sehr vielseitigen Bestandteil des Orchesterschlagwerks.

Ab etwa 1960 wird das Tamtam mit verschiedensten Gegenständen angeschlagen, angerieben oder bespielt. Als Soloinstrument verwendet es erstmals Karlheinz Stockhausen 1964 in seinem Stück „Mikrophonie I“.

Bauweise

Das Tamtam ist eine runde, leicht gewölbte Scheibe. Der schmale Rand ist umgebogen und ebenfalls gewölbt. Das aus gehämmertem Bronzeblech oder gegossener Bronze bestehende Instrument wird aus einer speziellen Legierung hergestellt und, wenn hochwertigste Qualität erfordert wird, aus einem der Ursprungsländer (China, Japan, Burma, Java usw.) bezogen. Zum Aufhängen des Tamtams befinden sich im Instrumentenrand zwei Löcher zum Durchziehen einer Schnur. Diese Löcher müssen an nicht mitschwingenden Stellen des Tamtams gebohrt sein.

Das bronzegegossene Tamtam, das hauptsächlich im Orchesterbetrieb verwendet wird, hat trotz der großen Materialmasse (aufgrund der Materialdichte) einen eher höheren Grundton, es muss daher eine gewisse Größe (ca. 70 cm Durchmesser) haben, um den im Orchester gewünschten Tamtam-Klang zu bekommen.

Ein oder mehrere Tamtams hängen auf einem Metall- oder Aluminiumständer, der meist auf Rollen steht.

Schlägel

Das Tamtam wird meistens mit speziellen Schlägeln angeschlagen:

Kopf
Material: Hartfilz, Holz, Metall
Durchmesser: ca. 6–15 cm

Bezug
Filz, schwerer Stoff

Stiel
Länge: ca. 28–35 cm

Form
Scheibenförmig, rund, rechteckig

Es werden aber auch andere Schlägel benutzt: Große-Trommel-Schlägel, Paukenschlägel, Beckenschlägel, Trommelstöcke, Triangelschlägel, Besen, Xylophonschlägel, Glockenspielschlägel, Marimbaphonschlägel, Vibraphonschlägel, mit der Hand, Superball.

Ein Superball hat einen Holz- oder Rattanstiel (Länge wie ein Marimba- oder Vibraphonschlägel) und als Kopf einen Gummiball. Gibt es in verschiedenen Größen.

Weiche Schlägel lassen den Schlagton schwächer erklingen und der Klang baut sich langsamer auf. Ein härterer Schlägel bringt den Schlagton stärker zum Vorschein und der vollständige Klang ist schneller erreicht.

Kleinere Schlägel bringen nicht die tiefsten Teiltöne hervor (bei entsprechend großen Tamtams), dafür eignen sie sich umso besser für Klangeffekte.

Zusätzlich wird das Tamtam gelegentlich auch mit folgenden Gegenständen angerieben: Weinglas, Pappröhre, elektrischer Vibrator, Ketten.

Notation

Das Tamtam wird meist alleine auf einer einzelnen Notenlinie notiert. Eine weitere Möglichkeit ist die Notation zusammen mit Kleiner Trommel, Großer Trommel, Becken, Triangel, etc. in einem Notensystem ohne Schlüssel.

Aus der notierten Stimme sollte immer die vom Komponisten gewünschte Größe des Tamtams hervorgehen. Ebenso sollte die Dauer des Ausklanges vermerkt sein.

Tonerzeugung

Das Tamtam wird entweder angeschlagen oder gerieben, bzw. der Spieler wischt über das Instrument.

Anschlagspunkt ist nicht direkt in der Mitte, sondern etwa (je nach Größe des Tamtams) eine Handbreit von der Mitte entfernt, da hier das größte Klangvolumen und die tiefsten Klänge bewirkt werden. Der ideale Anschlagspunkt variiert jedoch von Instrument zu Instrument und muss vom Spieler erforscht werden, da ein um wenige Zentimeter geänderter Anschlagspunkt große klangliche Veränderungen hervorrufen kann.

Das Tamtam hat – wie der Gong auch – in der Mitte die größten Schwingungen und am Rand die kleinsten. Daher befindet sich die Aufhängung am umgebogenen Rand. Sein Klang ist sehr reich an unharmonischen Teiltönen.

Das Tamtam wird mit verschiedenen Schlägeln, meist speziellen Tamtam-Schlägeln, angeschlagen. Je größer und schwerer das Instrument, desto größer müssen die Schlägel sein, mit denen es angeschlagen wird, und desto mehr Kraft müssen die SpielerInnen aufwenden, um einen voll tönenden Klang zu erzielen.

Ebenso ist die Dauer bis zur vollständigen Klangentwicklung bei größeren Tamtams länger, der Gesamtklang ist tiefer, und es wird schwerer, das Tamtam zu dämpfen. Bei sehr großen Tamtams und großer Lautstärke bewerkstelligen auch zwei Schlagzeuger das Abdämpfen.

Im Piano spricht ein großes Tamtam schwer an, und die Dynamik ist sehr schwierig zu kontrollieren.

Spieltechniken

Einzelschläge

Das Tamtam wird mit Schlägeln verschiedener Art angeschlagen.

Der Ausklang wird bei ganzer notierter Note oder bei einem notierten Haltebogen meistens nicht abgedämpft. Ist eine Achtel, Viertel oder Halbe Note ohne Haltebogen notiert, wird das Instrument pünktlich mit einer Hand des Spielers abgedämpft.

Gelegentlich wird bei fortissimo-Schlägen das Tamtam etwas „angewärmt“ – der Schlagzeuger spielt das Tamtam vor dem eigentlichen Schlag leicht an, damit es zu Schwingen beginnt und der Klang sich schneller aufbauen kann.

Secco

Das Tamtam wird direkt nach dem Schlag mit der Hand (kleines Tamtam) oder mit dem Körper des Spielers (großes Tamtam) abgedämpft. Hierbei soll sich der Klang nicht voll entfalten und es entsteht ein trockener, dumpfer, metallischer Klang.

Wirbel

Das große Tamtam wird mit zwei Schlägeln gleicher Art so angeschlagen, dass die Schwingungen des Tamtams nicht durch die Schläge wieder abgedämpft werden. Die Schlagfrequenz ist also relativ gering. Am einfachsten ist das Verschmelzen mehrerer Schläge mit einem weichen Schlägel zu erreichen, jedoch werden auch Holzschlägel und andere Schlägel aus klanglichen Gründen benutzt.

Ein kleines Tamtam wird mit ähnlicher Frequenz wie ein Hängebecken (also schneller als ein großes Tamtam) angeschlagen.

Ganz zu Beginn des Wirbels ist die Schlagfrequenz geringfügig höher als im Wirbel, damit das Tamtam sehr schnell seinen Klang entfalten kann.

Repetitionen

Repetitionen mit und ohne Akzente sind bis zum Wirbel möglich, jedoch werden die einzelnen Anschläge schnell durch den sich aufbauenden Klang unhörbar – ab einem gewissen Tempo besteht also kein Unterschied zum Wirbel. Durch die große Masse des Tamtams ist bei dieser Spielart das gleichmäßige Spiel äußerst schwer.

Triangelstab

Reiben mit einem Triangelstab.

Superball

Reiben mit einem Gummiball.

Kralle

Watergong

Ein Tamtam (meist bis ca. 60 cm Durchmesser) wird angeschlagen und etwa bis zur Hälfte in eine große, mit Wasser gefüllte Wanne eingetaucht. Dabei wird der Klang des Tamtams tiefer (Glissando bis zu etwa einer Quinte) und leiser.

Ein umgekehrter Effekt dieses Glissandos lässt sich mit einem Anschlag und darauffolgendem Hinausbewegen des im Wasser befindlichen Tamtams realisieren – eine umgekehrte dynamische Änderung ist jedoch nicht möglich.

Gestrichen

Mit einem Cello-, oder noch besser einem Kontrabassbogen, wird das Tamtam am Rand angestrichen. Hierbei muss das Tamtam festgehalten werden, um dem Reibewiderstand entgegenzuwirken. Diese Spielart kann nur relativ leise (piano) ausgeführt werden.

Gedämpft

Wird das Tamtam mit einem Tuch abgedämpft, so erklingt ein trockener, dumpfer Ton, dem viele Teiltöne fehlen.

Klangcharakter

Metallisch, scharf, schillernd, rauschend, schwirrend, brillant, gewaltig, majestätisch, kreischend, drohend, dröhnend.

Der Reichtum an unharmonischen Teiltönen gibt dem Klang des Tamtams einen geräuschhaften Eindruck. Aus diesem Grund ist es auch nicht möglich, eine bestimmte Tonhöhe herauszuhören.

Das Tamtam setzt sich mühelos gegen ein ganzes Orchester durch. Der Klang variiert je nach Schlägel, Anschlagspunkt, Material und natürlich Größe des Tamtams.

Ein bronzegegossenes Tamtam hat einen höheren Grundton als ein Tamtam aus Bronzeblech. Letzteres lässt sich aufgrund des geringeren Gewichtes auch wesentlich leichter abdämpfen, jedoch fehlt ihm in allen Dynamikstufen der edle Klang des bronzegegossenen Tamtams.

Im Piano ist der Klang dunkel gefärbt.

Durch die Vielfalt des Klangspektrums wird das Tamtam in lauten, aber auch in leisen Passagen eingesetzt. Oft wird es zur Erweiterung eines bereits vorhandenen Orchesterklanges, aber auch zur Erzeugung einer Stimmung (z.B. leise Schläge im langsamen Tempo als Herztöne eines Menschen) eingesetzt.

Vergleich Tamtam – Gong

Der wichtigste Unterschied zwischen Tamtam und Gong besteht darin, dass das Tamtam keine deutlich hörbare Tonhöhe wie der Gong hat. Ein weiterer wichtiger Unterschied besteht im Klang: Das Tamtam kann von majestätisch und gewaltig bis drohend oder dröhnend klingen – der Gong klingt ausschließlich majestätisch, brillant oder exotisch, besitzt also nur „würdevolle“ (mit Ausnahme von exotisch) Klangeigenschaften.

Der Gong klingt bei gleicher Intensität des Anschlags und gleicher Größe des Instrumentes nicht so lange nach wie das Tamtam (hier kann der Nachklang bis zu einigen Minuten betragen).

Tamtam und Gong haben aber auch Gemeinsamkeiten: Der Klang wird bei beiden mit der Größe des Instrumentes tiefer; ebenso spielt auch das Gewicht eine Rolle (je schwerer das Instrument, desto tiefer der Ton).

Die klanglichen Möglichkeiten sind beim Tamtam – nicht nur wegen der umfangreichen Schlägelauswahl – weitaus größer, jedoch kann man nur mit Gongs eine Melodie spielen.

Klangverbindungen

Das Tamtam wird eingesetzt, um eine Klangfarbe zum bestehenden Orchesterklang hinzuzufügen oder Akzente zu setzen. Es sollte sparsam eingesetzt werden, da der Klang sehr auffällig ist.

Tamtam + andere Schlaginstrumente

Bei den Schlaginstrumenten wird ein verschmelzender Klang besonders mit tiefem und dunklem Instrumentarium wie der großen Trommel, Gong, Pauke, etc. erreicht.

Das Tamtam kann jedoch auch eine Erweiterung eines metallischen hohen Klangs (erzeugt durch Becken, Triangel, Tamburin, Schellen, Glocken, etc.) nach unten bewirken.

Tamtam + Blechblasinstrumente

Vor allem Trompeten und Posaunen mischen sich gut mit dem Tamtam und der Klang wird schärfer und metallischer – kann aber auch drohender wirken.

Im Piano ist auch ein Verschmelzen des Klanges mit weich klingenden Blechbläsern (Hörnern) möglich.

Tamtam + Holzblasinstrumente, Streichinstrumente

Im Piano ist ein Verschmelzen des Klanges mit tiefen Holzbläsern (Fagott, etc.) sowie mit den tiefen Streichern (Celli, Kontrabässe) möglich.

Repertoire (Auswahl)

Solo Tamtam

  • Karlheinz Stockhausen
    • MIKROPHONIE I (1964)

Tamtam im Orchester

  • Nikolai Rimsky-Korsakov

    • Russische Ostern (Ouvertüre 1888)
  • Richard Strauss

    • Tod und Verklärung (1890)
  • Gustav Mahler

      1. Symphonie (1906)
  • Béla Bartók

    • Der holzgeschnitzte Prinz (1917), Konzert für Orchester (1944)
  • Modest Mussorgsky

    • Bilder einer Ausstellung (1874, orchestriert von M. Ravel 1922)
  • Maurice Ravel

    • La Valse (1920)
  • Alban Berg

    • Violinkonzert (1935)

Tamtam im Ensemble

  • Edgard Varèse

    • Ionisation für 13 Schlagzeuger, Klavier und Sirenen (1929–31, UA 1933)
  • Olivier Messiaen

    • Oiseaux exotiques (1956) (sehr großes Tamtam)
  • Pierre Boulez

    • Improvisation sur Mallarmé (1958)
  • Karlheinz Stockhausen

    • Kontakte für elektronische Klänge, Klavier und Schlagzeug (1959/60)
    • Zyklus für einen Schlagzeuger